BFSG für Online-Shops — Was Sie wissen müssen

Stand: April 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Online-Shops gehören zu den Unternehmen, die am stärksten vom Barrierefreiheitsstärkungsgesetz betroffen sind. Eine Studie von Aktion Mensch und Google zeigt: Ende 2024 waren 99% von 2.446 deutschen Online-Shops nicht BFSG-konform.

Warum sind Online-Shops betroffen?

Das BFSG gilt für alle digitalen Dienstleistungen, die sich an Verbraucher richten. Ein Online-Shop ist eine klassische B2C-Dienstleistung. Das bedeutet: Der gesamte Shop muss barrierefrei sein — von der Startseite über die Produktsuche bis zum Checkout.

Was genau muss barrierefrei sein?

Welche Shop-Systeme sind betroffen?

Alle: Shopify, WooCommerce, Shopware, Magento, JTL, Gambio — das BFSG unterscheidet nicht nach Technologie. Entscheidend ist, dass das Endprodukt (der Shop, den der Kunde sieht) barrierefrei ist.

Praktische Umsetzung

Schritt 1: Ist-Zustand prüfen

Führen Sie einen automatisierten WCAG-Scan durch. BFSGuard prüft Ihren Shop kostenlos und zeigt alle Probleme mit Priorität an.

Schritt 2: Kritische Probleme beheben

Fehlende ALT-Texte, Kontraste und ARIA-Labels lassen sich oft automatisch beheben. BFSGuards Auto-Fix Engine erledigt das per JavaScript-Snippet oder WordPress-Plugin.

Schritt 3: Barrierefreiheitserklärung

Nach § 14 BFSG müssen Sie eine Erklärung zur Barrierefreiheit auf Ihrer Website veröffentlichen. BFSGuard generiert diese automatisch basierend auf Ihren Scan-Ergebnissen.

Schritt 4: Monitoring

Ein Shop ändert sich ständig: Neue Produkte, Aktionen, Saisonseiten. Nur regelmäßiges Monitoring stellt sicher, dass keine neuen Barrieren entstehen.

Tipp: 13 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Einschränkungen. Eine barrierefreie Website erreicht mehr Kunden und steigert Ihren Umsatz.

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Welche Online-Shops genau betroffen sind

Das BFSG erfasst nach § 1 BFSG den Verbraucher-orientierten elektronischen Geschäftsverkehr. Das heißt konkret: jeder Online-Shop, der an Endverbraucher (B2C) verkauft, fällt grundsätzlich unter das Gesetz. Reine B2B-Plattformen mit nachweisbar geschlossenem Geschäftskundenkreis bleiben ausgenommen — die Beweislast liegt allerdings beim Betreiber.

Ausgenommen sind Microenterprises mit weniger als 10 Beschäftigten und unter 2 Mio. € Jahresumsatz (§ 1 Abs. 4 BFSG). Beide Schwellen müssen unterschritten sein. Ein 8-Mann-Shop mit 3,5 Mio. € Umsatz ist also voll pflichtig. Details: Kleinunternehmen und das BFSG.

Die 10 häufigsten Verstöße in Shops

  1. Produktbilder ohne Alt-Text. Magento/Shopware/WooCommerce machen das Feld optional — die meisten Shops befüllen es nicht. Folge: Screenreader-Nutzer können keine Produkte auswählen.
  2. Variantenwahl ohne klare Beschriftung. Größen-/Farb-Selectoren ohne aria-label — der Screenreader sagt nur „Button" statt „Größe XL wählen".
  3. Filter und Sortierung nur per JavaScript. Ohne Keyboard-Support oder Server-Side-Fallback bleiben Filterungen für Nicht-Maus-Nutzer unbedienbar.
  4. Checkout-Formulare ohne Labels. Floating-Placeholder-Designs sehen modern aus, lassen aber bei Tab-Bedienung den Bezug zwischen Beschriftung und Eingabefeld verloren gehen.
  5. Fehlermeldungen ohne ARIA-Live-Region. „Bitte gültige PLZ eingeben" wird visuell rot eingeblendet, aber Screenreader-Nutzer erfahren davon nichts.
  6. Captcha ohne Audio-Alternative. Klassisches Bild-Captcha schließt blinde Nutzer komplett aus. reCAPTCHA v3 ist okay, hCaptcha bietet Audio-Alternative.
  7. Cookie-Banner ohne Tastatur-Bedienung. Borlabs, Real Cookie Banner und Co. fokussieren manchmal nicht den Annehmen-Button initial — der Nutzer hängt fest.
  8. Hover-Menüs ohne Keyboard-Equivalent. Kategorie-Megamenüs öffnen nur per Mouse-Hover.
  9. Bestellbestätigung als Bild oder PDF. Sogenannte „Print-PDF"-Bestätigungen sind oft nicht getaggt.
  10. Live-Chat-Widgets (Intercom, Tawk). Externe Widgets brechen Tab-Reihenfolge und Focus-Management der Hauptseite.

Plattform-spezifische Hinweise

Shopify

Das Standard-Theme „Dawn" ist seit Version 14.x explizit auf WCAG 2.1 AA optimiert und ist BFSG-konform-fähig — bedarf aber sorgfältiger Konfiguration. Probleme entstehen meist durch Drittanbieter-Apps (Reviews, Upsells, Popups), die nicht-konformen Code injizieren. Praxis-Anleitung: Shopify BFSG-konform machen.

WooCommerce / WordPress

Storefront- und Astra-Themes sind weitgehend BFSG-tauglich. Kritisch sind Page-Builder (Elementor, Divi) — sie erzeugen oft div soup ohne semantische Struktur. Lösung: per Plugin (BFSGuard WP, WP Accessibility) automatisches Linting. Details: WordPress BFSG-konform machen.

Shopware 6

Shopware hat 2024 das offizielle „Shopware Accessibility Plugin" für 6.5+ veröffentlicht — Pflichtinstallation für jeden B2C-Shop. Standard-Themes »Shopware Default« und »Industry« sind ab Werk zu ~70 % konform.

Magento / Adobe Commerce

Magento Open Source ist veraltet und braucht massiven Custom-Code für BFSG-Konformität. Adobe Commerce (Cloud) bringt seit 2.4.7 deutlich bessere Accessibility-Hooks, ist aber kommerziell nur für große Shops sinnvoll.

Konkrete Compliance-Checkliste für Shops

Was kostet ein Verstoß im Shop-Kontext

Shops haben eine erhöhte Abmahn-Wahrscheinlichkeit, weil Wettbewerber den Markt aktiv monitoren. Eine UWG-Abmahnung kostet typisch 1.500–5.000 € Anwaltsgebühren plus Vertragsstrafe (oft 5.001 € je weiterer Verstoß). Bußgelder durch die MLBF reichen bis 100.000 € pro Verstoßkategorie. Eine ehrliche Risiko-Hochrechnung mit den BFSGuard-Daten finden Sie im ROI-Rechner.

In 3 Schritten zur BFSG-Konformität

  1. Audit (kostenlos): Shop-URL bei bfsguard.de/#scan eingeben — Dual-Score und Top-Issues binnen 60 Sekunden.
  2. Fix: Entweder selbst (Plan ab 19,99 €/Monat mit konkreten Fix-Hinweisen) oder Komplett-Service (499 €, alles in 24h erledigt).
  3. Dokumentation: § 14-Erklärung automatisch generiert, MLBF-konform, einbettbar als /erklaerung-zur-barrierefreiheit.

Weiterführende Quellen